RSV-Welle bei Kleinkindern: “Werte gehen senkrecht nach oben”

Aktualisiert am 25.11.2022 um 06:34 Uhr

  • RSV-Erkrankungen sind in der Regel harmlos, das Virus kann jedoch vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.
  • Und gerade bahnt sich ein Streik an, der schon einen Notarzt dazu veranlasst, von “Katastrophenzuständen” zu sprechen.

Mehr zum Thema Wissen

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) führen Infektionen mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) vor allem bei Kleinkindern zu einer erhöhten Morbidität und Krankenhauseinweisungen. Laut RKI-Wochenbericht zur Entwicklung der Corona-Pandemie vom Donnerstagabend sollen die Zahlen in den kommenden Wochen weiter steigen.

Kinderintensiv- und Notarzt Florian Hoffmann sagte der Deutschen Presse-Agentur zur Entwicklung von Kleinkindern: „Das ist keine Kurve mehr, sondern die Werte gehen senkrecht nach oben.“

In mehreren Bundesländern, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, gebe es in Kliniken fast kein kostenloses Kinderbett mehr, sagte Hoffmann, Generalsekretär der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und Oberarzt am DR. . aus der Hauner Kinderklinik in München. Er sprach von „Katastrophenzuständen“: Familien mit kranken Kindern müssen teilweise auf einer Pritsche in der Notaufnahme schlafen. Das ist ein Armutszeugnis für Deutschland. Viele betroffene Kinder sind schwer krank und müssen beatmet werden.

Auch Lesen :  Ex-Nationalspieler plädiert für Hummels, Götze und Moukoko

Situation viel schlimmer als letztes Jahr

Schon im Spätsommer 2021 habe es eine ungewöhnlich hohe RSV-Welle gegeben, aktuell sei die Situation aber noch schlimmer, sagte Hoffmann. Nicht nur in Deutschland, sondern allgemein auf der Nordhalbkugel gebe es ein “dramatisches Seuchengeschehen”.

Hoffmann erklärte, dass viele ein- oder zweijährige Kinder betroffen seien, die – auch angesichts der Corona-Pandemie und der dagegen getroffenen Maßnahmen – keinen Kontakt zum RSV gehabt hätten.

Aus dem aktuellen RKI-Wochenbericht geht hervor, dass nach Daten der Online-Umfrage „GrippeWeb“ die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen insgesamt im Vergleich zur Vorwoche deutlich zugenommen hat. In der Woche zum 20. November lag sie bei rund sieben Millionen und damit über der Bandbreite der Jahre vor der Pandemie.

Dies zeigt sich auch in der Registrierung von Patienten, die kürzlich mit schweren akuten Atemwegsinfektionen (SARS) ins Krankenhaus eingeliefert wurden: Aufgrund der ungewöhnlich starken Verbreitung von RSV werden derzeit bei Kindern unter vier Jahren deutlich mehr SARS-Fälle registriert als in Deutschland Kinder bis vier Jahre den Jahren vor der Pandemie und im Vorjahr, wie das RKI mitteilte. Auch in den folgenden Altersgruppen bis 14 Jahre sind Saree-Werte auf sehr hohem Niveau.

Auch Lesen :  Corona-Zahlen am 31.10.2022: Die Senioren-Welle bricht

“Es wird diesen Winter nicht alle versorgen können”

Zur Situation der pädiatrischen Intensivmedizin will Divi nächste Woche in Hamburg neue Zahlen vorstellen – und die damit verbundenen Forderungen und Lösungsvorschläge zur Verbesserung der Versorgung schwerkranker Kinder. „Wir werden diesen Winter nicht alle sehen können. Unsere Kollegen im ganzen Land wissen nicht, was sie mit unseren kleinen Patienten machen sollen.“

Es fehlen Strukturen zur Bewältigung der Situation und die bestehenden Aufzeichnungen zur Bettensituation werden oft aus Zeitmangel nicht aktualisiert. “Jetzt sollten wir Notfallmechanismen aktivieren, zum Beispiel das Pflegepersonal der Erwachsenenmedizin anrufen.”

RSV kann man in jedem Alter bekommen, besonders wichtig ist der Erreger aber bei Säuglingen und Kleinkindern. Es kann sich um einen einfachen Atemwegsinfekt handeln, aber auch schwerwiegende Verläufe bis hin zum Tod sind möglich. Zu den Risikopatienten zählt das RKI zum Beispiel Frühgeborene und Kinder mit Lungenvorerkrankungen, aber auch Menschen mit Immunschwäche oder einem allgemein geschwächten Immunsystem.

Auch Lesen :  Aktuelle Zahlen für Deutschland von heute 12.11.2022

Das RKI gibt unter Berufung auf Schätzungen an, dass die RSV-Atemwegserkrankung weltweit mit einer Inzidenz von 48,5 Fällen und 5,6 schweren Fällen pro 1000 Kinder im ersten Lebensjahr auftritt. Typischerweise haben zwischen 50 und 70 Prozent mindestens eine RSV-Infektion im ersten Lebensjahr und fast alle Kinder am Ende des zweiten Lebensjahres. Im Zuge der Schutzmaßnahmen gegen Corona blieben viele solcher Infektionen jedoch zeitweise aus. (dpa/fte)


Eine kürzlich veröffentlichte Studie liefert globale Schätzungen der Sterblichkeit durch Blutvergiftung. Es wurden 33 bakterielle Krankheitserreger und elf Hauptinfektionsarten untersucht. Welche Erreger für den Menschen besonders gefährlich sind, hängt jedoch nicht nur von der Weltregion ab.

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button