Kohl-Sohn: «Empfinde das heute hier als Zumutung»

Walter Kohl, Autor und Sohn des Ministerpräsidenten. Walter Kohl, Autor und Sohn des Ministerpräsidenten.

Walter Kohl, Autor und Sohn des Ministerpräsidenten.

Quelle: Paul Zinken/dpa

Die Witwe des ehemaligen Ministerpräsidenten Helmut Kohl streitet seit Jahren mit seinem Autor über unerlaubte Zitate in den Büchern. Nun hat der Sohn des CDU-Politikers als Zeuge ausgesagt – gegen seinen Willen.

ichIm andauernden Rechtsstreit um Zitate aus einem Buch des ehemaligen Ministerpräsidenten Helmut Kohl hat sich sein Sohn Walter vor Gericht empört, als Zeuge aussagen zu müssen. “Ich stehe heute tatsächlich unter Zwang. Ich wünschte, ich wäre heute verschont geblieben”, sagte der 59-Jährige am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht (OLG) in einem Zivilverfahren gegen die Witwe der ehemaligen CDU Ministerpräsidentin Maike Kohl-Richter will erreichen, dass bestimmte Zitate aus einem Buch des Schriftstellers Kohl Heribert Schwan nicht mehr zur Verbreitung freigegeben werden.

“Ich sehe es hier heute als Frechheit an”, sagte Walter Kohl vor Gericht. „Ich sitze hier im Raum mit den Menschen, die mir und meiner Familie den größten Schmerz zugefügt haben und denen, die nichts mit dem Suizid meiner Mutter zu tun haben.“ Hannelore Kohl beging 2001 im Alter von 68 Jahren Selbstmord.

Vor dem Prozess berief sich Walter Kohl auf sein Zeugnisverweigerungsrecht, um nicht auszusagen. Das Oberlandesgericht wollte im Verfahren klären, ob zwischen dem 2017 verstorbenen Kohl und dem Autor Schwan eine Geheimhaltungsvereinbarung bestand. Walter Kohl sagte, er und sein Bruder Peter hätten ihren Vater wiederholt gebeten, mit Schwan eine Geheimhaltungsvereinbarung zu unterzeichnen. “Aber mein Vater sagte: ‘Nein. Ich vertraue Dr. Schwan. Wir haben einen Deal gemacht, er wird mich nicht verraten’.”

Kohls Sohn sagte, dass Schwan zunächst auch alle internen Angelegenheiten heimlich erledigt habe. Doch nach dem Tod seiner Mutter zerstört Maike als neue Lebensgefährtin seines Vaters einen Großteil der alten Umgebung und bricht seine Bindungen ab. „In dieser Situation ist Dr. Schwans Haltung hat sich geändert“, sagte Walter Kohl. Aus seiner Sicht führte das damalige Verhalten von Kohl-Richter letztlich zu einem Rechtsstreit, der geführt werden musste.

Schwan schrieb Kohls Memoiren. Bevor der letzte Band geschrieben wurde, hatten die beiden jedoch eine Meinungsverschiedenheit, die Schwan dazu veranlasste, unabhängig ein Buch mit Kohls nicht autorisierten Zitaten zu veröffentlichen. Es wurde 2014 unter dem Titel „Legacy. Kohl Protocol“ veröffentlicht.

Der Streit zwischen Maike Kohl-Richter und Schwan und seinem Verleger beschäftigte im Laufe der Jahre mehrfach verschiedene Gerichte. Im laufenden OLG-Verfahren greift die Witwe ein Urteil des Landgerichts Köln aus dem Jahr 2019 an, das ihr nur in einzelnen Textpassagen zustimmte.

Im vergangenen Dezember erlitt Kohl-Richter vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe eine Niederlage. Kurz vor ihrem Tod erhielt ihr Mann von der Autorin wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte eine Entschädigung in Höhe von einer Million Euro. Der BGH entschied jedoch, dass eine solche Geldabfindung nicht vererbbar sei. Kohl-Richter hat nichts.

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